42 Tipps für 42 Kilometer
Quelle: Webseite Uli Sauer - (www.uli-sauer.de)
(zum Teil in Anlehnung an „Das Laufbuch“
von T. Steffens/M. Grüning, 5. Auflage 2001, S. 132 ff.)
Vor dem Start
1. Du hast viele Wochen trainiert, aber auf
einmal droht eine Verletzung oder eine Krankheit, dir einen Strich
durch die Rechnung zu machen. Was tun? Auch wenn's schwer fällt -
überlass dem Sportarzt die Entscheidung! Attraktive Marathons gibt
es (fast) so zahlreich wie Sand am Meer.
2. Die Tage vor dem großen Lauf sind nicht
die Zeit für Experimente mit der Ernährung wie auch mit deinem
Lebenswandel! Getränke (wie z. B. Elektrolyt-Getränke und
Nahrungsmittel, wie z. B. Power-Gel) vorher im Training
ausprobieren!
3. Ernähre dich in den letzten Wochen vor dem
Marathon besonders kohlenhydratreich
(70 % der Ernährung). Zu empfehlen sind die
Nudeln, die dir dann schon langsam aus den Ohren wieder
herauskommen, aber auch Reis, Kartoffeln, Brot. Der Rest sollte aus
Eiweiß und Fett bestehen.
4. Achte auf deine Füße! Schneide
spätestens eine Woche vor dem Lauf deine Fußnägel zurück, damit
sich die weiche Haut unter dem bisherigen Zehennagel abhärten kann.
Schütze kritische Stellen durch ein gut klebendes Pflaster oder
Hirschtalg gegen Reibung.
5. Keine neuen Schuhe beim Marathon! Die
Schuhe sollten ein-, aber nicht abgelaufen sein! Das gleiche gilt
für Laufsocken, die ruhig schon am Tag vor dem Wettkampf getragen
werden dürfen.
6. Setze dir ein realistisches Zeitziel
(alternativ "lächelnd ankommen") und setze dich nicht
unter zu großen Druck!
7. Marathonmessen sind interessant, sollten
aber in den Tagen vor dem Marathon nicht zum zweiten Zuhause werden.
Das gleiche gilt für Stadtbesichtigungen, wenn du z. B. in Berlin,
Hamburg, London, New York läufst... Stundenlanges Herumstehen und
-laufen ermüden die Muskulatur!
8. Sei bei dem Marathon auf jedes Wetter
vorbereitet! Ein Netzhemd für warme Tage, ein entsprechendes
Laufshirt sowie eine Schirmmütze bei Regen. Üblich ist auch, vor
dem Start Asbach-Laufsachen anzuziehen und diese wenige Minuten vor
dem Start an den Rand zu werfen (sieht übrigens witzig aus, wenn
Hosen und Pullover rechts und links aus dem Starterfeld fliegen -
das Rote Kreuz sammelt in Berlin jedes Jahr einige Tonnen an
Altkleidern). Hilfreich ist auch ein Müllbeutel (Gelber Sack o.
ä.). Löcher für Kopf und Arme hinein machen und überziehen (kein
Witz!). Er hält dich bis zum Start warm.
9. Nudelpartys am Vorabend! Achte darauf, dass
du nicht zu spät und zu viel isst! Mit vollem Magen schläft und
läuft es sich schlecht!
10. Um gut "gewässert" an den Start
zu gehen, solltest du am Vortag viel trinken! Drei bis vier Liter
Flüssigkeit (Stilles Wasser) sind bei wärmeren Temperaturen das
Minimum. Das strapaziert zwar die Blase, beugt aber einem
Leistungseinbruch durch Dehydratation vor.
11. Lege dir am Vorabend des Marathons alle
Laufutensilien zurecht. Befestige die Startnummer am Trikot oder
einem speziellen Startnummernband. Der Chip zur Zeitmessung wird
einfach in das Schuhband eines Schuhs eingebunden.
12. Klebe deine Brustwaren vor dem Lauf mit
einem Stück Pflaster (Leukoplast) ab, um schmerzhaftes Aufscheuern
zu vermeiden. Von Schweiß oder Regen durchtränkte Textilien
können die Warzen blutig scheuern. Reibe alle Stellen des Körpers,
an denen Scheuerstellen entstehen können, mit Melkfett oder
Vaseline ein (insbesondere die Schultern unter dem Träger des
Hemdes, am Armausschnitt des Hemdes entlang, im Schritt, die Zehen
und die Fersen). Und ggf. Sonnencreme nicht vergessen, auch im April
haben wir (leider) oft Temperaturen über 20 Grad und du bist ja
schon ein paar Stunden in der Sonne unterwegs.
13. Schlaflose Nacht vor dem Marathon? Nicht
schlimm. Wichtiger als die letzte Nacht ist die vorletzte. Dein
Körper ist durch das stark reduzierte Training der letzten Tage
ausgeruht genug. Zusätzlich solltest du versuchen, die letzen zwei
bis drei Tage allgemein in Beruf und Familie ohne besonderen Stress
zu verleben.
14. Die meisten Marathonläufe werden morgens
gestartet. Stehe deshalb mindestens drei bis vier Stunden vorher
auf, damit dein Körper in Schwung kommt! Gehe vor dem Frühstück
ein bisschen an die frische Luft, um fünf Minuten locker auf und ab
zu laufen. Das bringt den Kreislauf rechtzeitig in Schwung, lockert
die Muskulatur, stimmt dich auf das Rennwetter ein und beruhigt
deine Nerven!
15. Frühstücke auch am Morgen des großen
Laufes – auch wenn du überhaupt keinen Appetit hast! Verzichte
auf Kaffee! Nimm leicht verdauliche Kost zu dir, die nicht lange im
Magen bleibt, z. B. Weißbrot mit Honig oder Bananen. Nicht: Mülsi,
Milch, Orangen!
16. Bereite den Marathon mit Körper u n d
Kopf vor. Mach dir ein Bild von dem Streckenplan und –profil,
Start und Ziel! Alte Läuferweisheiten, dass der Marathon erst bei
Kilometer 30 beginnt, stimmen! Verinnerliche, dass du die erste „Hälfte“
(bis Kilometer 30) sehr zurückhaltend läufst, damit du für die
zweite Hälfte noch genügend Kraft hast!
17. Suche am Wettkampftag rechtzeitig eine
Toilette auf! Toiletten stehen in großer Zahl am Start (und danach
an jeder Verpflegungsstation, also alle fünf Kilometer). Dennoch,
in der letzten halben Stunde vor dem Start bilden sich immer lange
Schlangen vor den Dixi-Kloos! Endloses Schlangestehen verursacht
unnötige Hektik und steigert die Nervosität. Wenn Blase und Darm
ihre Unberechenbarkeit unter Beweis stellen, bleiben die Büsche
entlang der Strecke – was soll’s?
18. Wärme dich vor dem Start durch lockeres
Traben und leichtes Stretching auf. Einreiben mit Ölen und Salben
ist überflüssig und mehr Ritual als wirkungsvolle Unterstützung,
denn durchblutet wird durch diese Mittelchen vor allem die Haut und
nicht die Muskeln.
19. Überprüfe den Sitz von Socken, Schuhen
und der Schnürung und ggf. deines Pulsmessers. Stelle die Stoppuhr
deiner Laufuhr auf Null.
20. Begebe dich rechtzeitig in den
Startbereich und sauge die Atmosphäre in dir auf! Komme noch mal
zur Ruhe, lass deine Vorbereitung in den letzten Wochen bei Wind und
Wetter noch mal Revue passieren, freue dich, dass für dich und –zigtausenden
Läuferinnen und Läufer endlich der große Tag gekommen ist, dass
du gleich auf die Strecke gehst, an der dich hunderttausende
Zuschauer anfeuern werden…! Freue dich darauf, du hast es dir
verdient!
Während des Marathons
21. Bleibe nach dem Startschuss ruhig. Es kann
auch schon mal 10 Minuten dauern, bis du die Startlinie erreichst.
Durch den Chip an deinem Schuh wird die IST-Zeit erst mit
Überschreiten der Startlinie genommen.
22. Denke daran, beim Startschuss oder (je
nach Wunsch) beim Überschreiten der Startlinie deine Uhr
einzustoppen. Jeder einzelne Kilometer ist ausgeschildert - ein
Blick auf die Uhr während des Laufs lenkt ab.
23. Je nach Größe einer Veranstaltung
entzerrt sich das Feld nach wenigen Metern oder erst nach
Kilometern! Widerstehe dem Versuch, bei freier Bahn das Tempo
kurzfristig zu forcieren! Die Sekunden, die du nach dem Start
gewinnst, zahlst du in Minuten zurück! Finde dein eigenes Tempo,
lass dich ruhig überholen!
24. Überprüfe auf den ersten Kilometern dein
Tempo und deinen Puls (für alle, die mit Pulsmesser laufen).
Beginne mit max. 80 % deiner maximalen Pulsfrequenz und steigere
dich bis Kilometer 30 auf max. 85 %. Ab Kilometer 35 entscheidest
du, ob du das Tempo nur halten kannst oder noch so fit bist, dass du
noch mal Gas gibst!
25. Beginne frühzeitig zu trinken, egal ob es
regnet oder ob die Sonne scheint! Dein Körper benötigt immer viel
Flüssigkeit! Jede Trinkstation (alle fünf Kilometer) mitnehmen!
Nur das trinken, wovon du weißt, dass es dein Magen auch verträgt.
Die Pappbecher sind nur zur Hälfte gefüllt. Drücke den oberen
Rand zu einem Trichter zusammen und trinke in kleinen Schlucken. Das
geht auch ohne viel Übung während des Laufens. Wenn du beim
Trinken Wasser verschüttest – nicht schlimm, auf Etikette
brauchst du heute mal nicht achten...
Nimm bei heißem Wetter zwei Becher, trinke
einen aus und gieße den anderen über Kopf und Schulter (tut
guuuuuuuut!). Hier und da stellen nette Menschen auch ihre
Gartendusche an den Straßenrand, damit die Läufer sich im
Vorbeilaufen eine kurze Dusche holen können (empfehle ich nicht
unbedingt, da ich danach zu sehr auskühle). Mit deinen
Startunterlagen erhälst du auch einen handlichen Schwamm. Zwischen
den Verpflegungsstationen (also bei Kilometer 7,5 – 12,5 – usw.)
sind nochmals Wasserstellen, an denen du den Schwamm im Vorbeilaufen
in große Plastikwannen eintauchen und dich dann erfrischen kannst.
26. Die Verpflegungsstellen werden ca. 100 bis
200 m vorher durch große Hinweisschilder angekündigt. Weitere
Schilder verraten dir, was heute im Ausschank ist (Wasser,
Iso-Getränke, Bananen, Apelsinen etc.). Zuschauer bieten schon mal
Äpfel an – im Zweifel nicht nehmen, weil Äpfel im Magen säuern.
Ab Kilometer 30 helfen Bananen nicht mehr viel, weil sie vom Körper
bis zum Ziel nicht mehr umgesetzt werden. Cola (schon mal hinter
Kilometer 30 im Angebot) gibt nur kurzfristig einen Kick – im
Training ausprobieren!
Nicht gleich den ersten Tisch der
Verpflegungsstände ansteuern. Dort herrscht meist großes
Gedränge, während die letzten Tische kaum besucht werden! Habe Mut
und mache erstmal einen Bogen um die ersten Tische!
27. Auf der Straße ist eine farbige (Ideal-?)Linie
angebracht (meist blau). Du musst nicht stur auf ihr laufen…
28. Spürst du Schmerzen in der Muskulatur,
bleibe stehen und massiere und stretche dich vorsichtig. Versuche
anschließend erst zu gehen, dann erst zu traben. Bei jeder
Verpflegungsstation sind Erste-Hilfe-Kräfte, häufig werden im
zweiten Teil des Laufes Massagen angeboten. Sind die Schmerzen zu
groß oder spürst du großes Unwohlsein, habe den Mut
auszusteigen!!! Die Gesundheit geht alle mal vor!!!
29. Seitenstechen ist nicht der Anfang vom
Ende eines Marathonlaufes. Verlangsame das Tempo, drücke die Hand
in die schmerzhafte Stelle und lass sie beim Ausatmen wieder los.
Sticht es auf der linken Seite, versuche einen Atemrhythmus zu
finden, bei dem du immer laut und heftig ausatmest, wenn dein linker
Fuß den Boden berührt. Im Extremfall eine Gehpause einlegen und
ruhig und rhythmisch durchatmen.
30. Versuche, positiv zu denken! Selbst
schwierigen Situationen kannst du was Positives abgewinnen: Regen
bei Kilometer 10? „Das erfrischt!“. Seitenstechen bei Kilometer
20? „Die kommen und gehen“. Muskelschmerzen bei Kilometer 35?
„Super! 80 % sind geschafft!“
31. Und! Genieße den Zieleinlauf! Das
Tüpfelchen auf dem Marathon-i ist der Moment, in dem dir eine junge
Dame oder ein junger Herr deine Medaille umhängt!!!
Nach dem Marathon
32. Im Ziel wird dir eine Plastikfolie
umgehängt, damit du nicht auskühlst. Gehe möglichst noch ein paar
Schritte und dehne ganz vorsichtig deine Muskeln, achte auf
Schmerzen (Krampfgefahr). Bei Unwohlsein scheue dich nicht, einen
der vielen Sanitäter anzusprechen!
33. Falls du nicht direkt im Zielbereich
duschen kannst oder willst, ziehe die nassen Laufklamotten aus und
trockene Kleidung an.
34. Im Zielbereich werden zudem meist Massagen
angeboten (kostenlos natürlich). Gönne dir bei verspannter
Muskulatur diesen Luxus! Der Andrang ist leider meist groß, die
Wartezeit kannst du dir aber mit einer leichten Selbstmassage
überbrücken.
35. Laut einer Studie verlieren
Marathonläufer/innen ca. 170 Gramm Fett, 315 Gramm Kohlehydrate und
ein paar Liter Flüssigkeit. Beginne daher schon im Zielbereich,
deine Energiespeicher wieder aufzufüllen. Esse vor allem reife
Bananen und andere Früchte und trinke soviel du magst. Das erste
Bier sollte es frühestens aber erst am nächsten Tag geben.
36. Gönne dir zu Hause ein heißes Bad mit
entspannenden Badezusätzen!
37. Trabe – wenn möglich(!) – am Tag nach
dem Marathon einige wenige Minuten. Das transportiert die
Milchsäure aus den strapazierten Muskeln. Ansonsten gilt „Am Gang
sollt Ihr sie erkennen…“ J
38. Nehme dir nach dem Marathon ausreichend
Zeit zur Regeneration!!! Der Körper ist erst nach vier bis sechs
Wochen wieder auf dem Normalzustand! In der ersten Woche: absolutes
Laufverbot! Kümmere dich mehr um deine Lieben, die in den letzten
Wochen wahrscheinlich viel Verständnis zeigen mussten!
39. Wenn du es partout nicht lassen kannst,
wähle alternative Trainingsformen: Schwimmen oder Radfahren auf
niedrigem Level! In Regenerationsphasen ist weniger mehr!
40. In der zweiten bis vierten Woche sollte
das Training auf zwanzig bis dreißig Prozent des üblichen Umfangs
beschränkt werden.
41. Da der Körper bei einem Marathon über
seine Kräfte gefordert wird, sind max. zwei bis drei Marathons pro
Jahr überhaupt das höchste der Gefühle!
42. Siehe Checkliste oben