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Walter Hösch
Iditarod Trail
Alaska


Walter Hösch war Teilnehmer beim härtesten Winterrennen der Welt, dem 
Iditarod Trail in Alaska
2010


Walter Hösch auf dem Rainy Pass beim Iditarod Train in Alaska 2010


Walter Hösch - Ich bin dann mal weg...


Walter Hösch - sogar die Nahrung wurde getestet. Tiefkühl getestet in der Gefriertruhe!



Paul Launer und 
Walter Hösch


  
Walter Hösch aus Lindach war auf den Spuren der Goldgräber in Alaska - Ein Fußmarsch durch die Eiswüste und gleichzeitig härteste Winter-Ultrarennen der Welt, dem Iditarod Trail

Wer Walter Hösch kennt, der weiß, dass er das "Synonym" für Extremsport im Ostalbkreis ist. Der ausgebildete Bergsteiger, der auch für den Deutschen Alpenverein Sektion Schwaben tätig ist, hat  verschiedenen Expeditionen nach Alaska, Peru und Bolivien als Organisator und Leiter durchgezogen. Eine beeindruckende Tour war auch die Begehung des alpinen Weitwanderweges "von München nach Venedig" mit seiner Frau Kerstin in 28 Tagen.

Auszüge aus seinem Tourenbuch über besondere Aktionen in den Alpen: Watzmann-Ostwand (Berchtesgadener Weg), 24-Stunden Tour mit Hans Kammerlander im Ahrntal (Südtirol), 24-Stunden Tour im Karwendel (solo und als Führer einer 12 köpfigen Gruppe),  Überschreitung Montblanc, Lafatscher-Verschneidung (VI) im Karwendel, Kleine Zinne (Comici-Führe, Südwand, VI-), Petersenspitze (Nordwand 60° Eiskletterei) im Stubai, Brochkogel (Nordwand 55° Eiskletterei) im Stubai.

Im Jahre 2007 wurde ich erstmalig auf Walter aufmerksam. In unserer Tageszeitung konnte man lesen, dass Walter einen Benefizlauf von tiefsten Punkt bis zum höchsten Punkt Deutschlands für an Down Syndrom erkrankte Menschen durchführte. Dabei legte Walter rund 1300 Kilometer vom Norden Deutschlands bis zum Süden auf die Zugspitze zurück. Am 6.9.2007 war die Etappe von Dinkelsbühl nach Nördlingen auf dem Programm. Ich entschied mich damals kurzer Hand mit Walter die Strecke zu laufen. Dabei hatten wir für die rund 36 Kilometer nach Nördlingen genügend Zeit uns auszutauschen. Und aus den damaligen Gesprächen haben wir gemerkt, dass unsere Uhren ähnlich ticken. Zwischenzeitlich ist eine Freundschaft entstanden und so war ich aber auch meine Frau Barbara sehr besorgt, als Walter uns bereits im letzten Jahr von seinem großen Vorhaben am Iditarod Trail teil zunehmen, erzählte.  

So haben wir nach dem Start in Alaska stets auf die e-Mail-Berichte von Walters Frau Kerstin gewartet, was - wie und wo sich Walter im Moment befand. Es war uns nicht ganz geheuer, denn seine "Expedition" Alaska war nicht ganz ungefährlich. 

Allerdings kennen wir Walter so gut und wissen, dass er sich bestens vorbereitet hat. Sein Training für den Alaska-Trip war äußerst hart. So hat er seinen Pulka (Spezialschlitten) zahlreiche Kilometer über die Ostalb gezogen. Der Winter war ja ideal für die Vorbereitung. Oder in Leutasch hat er einen übereifrigen Jäger fast wahnsinnig gemacht, in dem Walter stets die gleiche Strecke hoch bis zu einer Alm und wieder herunter bis zum Parkplatz lief. Und das über ein ganzes Wochenende lang. Rauf und runter unentwegt hartes Training. Auf dem heimischen Balkon hat er bei Minus 10 Grad im Zelt übernachtet - mehrere Tage am Stück. Schon allein die Versuchung ins warme zu gehen und die weiße Fahne zu schwenken war doch riesig. Auch das Schlafen und wach sein hat Walter zum Schluss trainiert. 4 Stunden Schlaf mussten am Tag reichen. 20 Stunden wach bleiben mussten trainiert sein. Aber Walter war hart zu sich und seine Kerstin die wohl beste Begleiterin. Denn es gehört schon viel dazu, dass man als Ehefrau das alles mitmacht. Kerstin, die Sport studiert hat und als Sportlehrerin lange Jahre unterrichtete schrieb auch für den Iditarod Trail die Trainings-Pläne. Pläne schreiben ist das eine, so Kerstin. Den Sportler zu kennen, das andere. Ihre Pläne sind exakt auf Walter abgestimmt und das macht ihn so stark. Sie ist stolz auf Ihren Mann und dass er so ausdauernd und unentwegt, das Ziel im Auge, den Wettkampf ansteuerte. Das ist eben Walter! Ja liebe Kerstin, das ist DEIN Walter! 

Und dass Walter als erfahrener Bergsteiger in seinen Vorhaben stets den Kopf einschaltet und die Emotionen nach hinten schieben kann, hat ihn in Alaska eine noch größere Persönlichkeit werden lassen. Ja, der Sturz am Rainy Pass, als ihm seine Pulka in die Bandscheiben fuhr und nach einem Höllenlauf zur nächsten Versorgungsstation - so kurz vor dem Ziel - aufgeben zu müssen, das bedeutet Stärke und Größe zu zeigen. 

Die Herausforderung anzunehmen und dennoch sich für die Vernunft - sprich für das Aufgeben zu entscheiden - das ist eine großartige Entscheidung gewesen. Wie oft hören wir von Extremsportlern, Bergsteigern, die ihr Leben sinnlos aufs Spiel setzen und ihr Umfeld - die Familie, aber auch Bekannte und Verwandte bis auf's letzte fordern, aber auch die Medien, wie Hyänen anlocken, um über "sagenhafte" und schier "unglaubliche" Unglücke berichten zu können. Nein - all das war und ist beim Iditarod Trail in Alaska kein Thema. Die Sportler sind besonnen und wissen im richtigen Moment was zu tun ist. Schon allein daher kann das schwerste und schwierigste Winterrennen von sich behaupten noch nie schwerwiegende Unglücke/Unfälle oder gar Tote gehabt zu haben. Deshalb war die Entscheidung nach 336 Kilometern von insgesamt  560 abzubrechen eine harte aber gute Entscheidung. Walter entschied sich für die Vernunft und nicht für das Risiko.  Das ist ihm hoch anzurechnen. Und wäre am Rainy-Paß der Sturz nicht passiert, so sind wir uns sicher hätte Walter das Ziel erreicht! 

 
Am Donnerstag, den 11.3.2010 kam Walter von Alaska zurück. Am Abend hat seine Kerstin eine kleine Überraschungs- und Willkommensparty mit Freunden und Bekannten für Ihn organisiert.

Babsi und ich waren ebenso mit von der Party und freuten uns Walter wieder zu sehen.  

Walter mit der "Trophäe" des T-Shirts vom Itidtarod Trail 2010, welches jeder Teilnehmer erhalten hat. 

 

Informationen über Walter Hösch und seine sportlichen Aktivitäten kann man nachlesen auf seiner Internetseite:

http://www.bergundlauf.de/ 

 

Iditarod Rennen Alaska 2010 Walter Hösch beim Iditarod Trail in Alaska
Start beim Iditarod Rennen 2010 in Alaska - Klicke auf das Bild für eine größere Version Walter Hösch unterwegs in Alaska
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Walter Hösch unterwegs in Alaska

In der Schwäbischen Post bzw. Gmünder Tagespost aber auch im Schwabenradio wurde von Walters Abenteuer in Alaska berichtet. Hier die Zusammenfassung und die Berichte aus der Zeitung von Chefredakteur Werner Röhrich. 

Durch Schneesturm und auf Eis

Extremsport: Walter Hösch aus Lindach kehrt mit beeindruckenden Erlebnissen vom Iditarod Trail aus Alaska zurück

Mitten in der Nacht nur den Kegel der Stirnlampe vor sich zu haben. Unter dir knirscht’s. Nicht zu wissen, ob du einbrichst. Das war schon ein komisches Gefühl.“ Walter Hösch aus Lindach hat erlebnisreiche Eindrücke vom Iditarod Trail, dem härtesten Winter-Ultramarathon der Welt, mitgebracht.

Werner Röhrich

An fünf Tagen hat er in der Eiswüste Alaskas 336 Kilometer zurückgelegt. Dabei war er zum Teil bis zu 21 Stunden am Stück unterwegs. Es war für mich eine geniale sportliche Herausforderung, zu zeigen, was man wirklich schaffen kann, wenn man gut vorbereitet ist“, sagt der 50-Jährige. Die Tatsache, dass er verletzungsbedingt abbrechen musste und nicht am 560 Kilometer entfernten Ziel angekommen ist, schmerzt ihn dennoch. Auch Tage, nachdem er jetzt wieder zuhause ist.

„Ich war körperlich voll fit. Und wenn mir nicht der Schlitten in den Rücken gestoßen wäre, hätte ich das Ding durchgezogen“, ist er sich sicher. „Aber es wäre unverantwortlich gewesen, weiterzulaufen.“

Beim Massenstart der 50 Teilnehmer in Anchorage war Walter Hösch „sofort klar, dass es sich tatsächlich um ein Rennen handelt. Die sind gleich losgerannt wie die Irren. Innerhalb von 50 Metern war ich am Schluss“, erzählt Hösch. Die minus fünf Grad Celsius waren beinahe zu warm. Der Schnee weich, der 35 Kilogramm schwere Schlitten schwer zu ziehen, die Sicht außerhalb der Stadt schwierig. Der Wind sorgte für Schneeverwehungen und dafür, dass schon nach wenigen Minuten keine Spur mehr von einem Vordermann zu sehen waren. Hösch: „Die Orientierung war sehr schwierig. Mich hat mal ein Italiener überholt, der drei Stunden in die falsche Richtung gelaufen war.“

Bereits in der ersten Nacht hatte Hösch sein erstes einschneidendes Erlebnis. Als er an einem See, der zu überqueren war, zwei Italiener traf, war allen Dreien klar, dass sie der geringen Eisdecke wohl nicht trauen konnten. Der Erste hat’s unbeschadet darüber geschafft. Und als Walter Hösch sah, dass der Zweite eingebrochen ist, war ihm klar, dass er da nicht mehr drüber gehen konnte und lieber einen Umweg um den See herum in Kauf nehmen musste.

Was folgte, war ein 60 Kilometer langer Fußmarsch auf einem sich scheinbar unendlich hinziehenden Fluss. Ich habe gedacht, das hört gar nicht mehr auf“, erinnert sich Hösch. Eisaufwürfe von bis zu drei Metern Höhe und festgefrorene Baumstämme sorgten für erhebliche Mühen, um den Proviantschlitten darüber zu ziehen.

„Immer wieder habe ich frische Elchspuren gesehen“, sagt der Lindacher und gibt offen zu, dass er vor allem nachts durchaus auch Angst gehabt hat, einem dieser gefährlichen Angreifer gegenüberzustehen. Auch von Wölfen und anderen Tieren hat Walter Hösch jede Menge Spuren gesehen. Einem Tier begegnet ist er nie. „Wahrscheinlich haben die alle mehr Angst vor Menschen als wir vor ihnen.“

Walter Hösch war in den ersten drei Tagen 208 Kilometer weit gekommen, als es hineinging in die Bergkette der Alaska Range. Steile Auf- und Abstiege forderten ihm alles ab. Einmal habe ich drei Anläufe benötigt, um auf den Knien und auf allen Vieren mit meinem Pulka auf die nächste Anhöhe zu kommen. Abwärts hat der Pulka dann mächtig geschoben.“

Die schwierigste Etappe stand ihm jetzt noch bevor, die Überquerung des Rainy Pass. Inzwischen herrschte starker Schneefall, der Sturm wurde immer stärker. Vom Pfad war überhaupt nichts mehr zu sehen. Die Orientierung war nur per GPS möglich. Zusammen mit vier Italienern und einem Engländer ist Walter Hösch um Mitternacht aufgebrochen. Anstatt wie geplant um 7.30 Uhr haben sie erst um 10 Uhr die Passhöhe erreicht. Hösch: Der Sturm wurde immer stärker. Die Skistöcke lagen zum Teil waagrecht in der Luft. Man musste wirklich aufpassen, dass es einen nicht umgeworfen hat.“

Der 35 Kilometer lange Abstieg durch die berüchtigte nur zehn bis 50 Meter breite Dalzell-Schlucht dann bot eine beeindruckende Hochgebirgs-Szenerie mit bis zu 800 Meter hohen Steilwänden. Der Gebirgsbach in der Mitte musste ein ums andere Mal überquert werden; über Schneebrücken, die nicht immer gehalten haben. „Ich bin immer wieder eingebrochen und habe mich wieder herausgekämpft“, erzählt der Extremsportler. Eine dieser Schneebrücken ist ihm zum Verhängnis geworden. Als er eingebrochen und rund drei Meter in die Tiefe gerutscht ist, ist ihm sein Schlitten von hinten mit Wucht in den Rücken gefahren. „Ich habe sofort bemerkt: Jetzt ist irgendetwas passiert.“ Dennoch kämpfte sich Walter Hösch noch sechs Stunden bis zum nächsten Checkpoint nach Rone durch, teilweise auf blankem Eis mit Schneeketten unter den Schuhen.

Dass es für ihn gleichzeitig das Ende seiner Abenteuerreise sein sollte, wollte er zu diesem Zeitpunkt noch nicht glauben. Doch als er nach kurzem Schlaf in einem Trapperzelt wieder weiter wollte, waren die Schmerzen so stark geworden, dass er entschied, der Vernunft Vorrang zu geben und nach 336 Kilometern aufzuhören.

Auch wenn die Enttäuschung über die Aufgabe noch tief sitzt, sagt Walter Hösch: Ich bin froh, dass ich es gemacht habe, weil es ein Traum von mir war.“ Und es war der sportliche Höhepunkt des Bergsteigers und Kletterers, der vor drei Jahren mit seinem vierwöchigen Lauf von der Nordsee auf die Zugspitze bereits von sich reden gemacht hat.

Ob er den Iditarod Trail noch einmal in Angriff nehmen wird? Das weiß ich noch nicht“

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Höllische Schmerzen

Extremsport: Walter Hösch muss den Iditarod Trail beenden

Mit gewaltigen Schmerzen im Lendenbereich hat Walter Hösch aus Lindach seinen Fußmarsch durch die Eiswüste Alaskas abgebrochen. 210 Meilen (336 Kilometer) hat er in fünf Tagen absolviert.

Werner Röhrich

Der Lindacher, der am härtestens Winter-Ultrarennen der Welt, dem Iditarod Trail, teilnahm hat rund zwei Drittel der insgesamt 350 Meilen (560 Kilometer) langen Strecke absolviert. Bei einem Einbruch in einem Gebirgsbach hat er sich eine Bandscheibenverletzung zugezogen, die ihn dazu zwang, aufzugeben. Ich wäre absolut in der Lage gewesen, dies zu schaffen“, ärgert er sich der Vorsitzende der Bezirksgruppe Ellwangen des Deutschen Alpenvereins (Sektion Schwaben). Hösch ist mittlerweile wieder in Anchorage angekommen, von wo aus er in den nächsten Tagen die Heimreise antreten wird. Von dort aus hat er per E-Mail in ein paar prägnanten Zeilen seine Eindrücke kurz zusammengefasst:

Liebe Freunde, vielen herzlichen Dank an alle, die mir in den letzten Tagen die Daumen für mein großes Abenteuer gedrückt haben. Es hat mich sehr gefreut, dass ihr an mich gedacht habt. Leider musste ich am Samstag aus dem Rennen gehen. Bis dorthin ging es mir wirklich gut, wenn man das bei solch einem Rennen überhaupt sagen kann. Konditionell und physisch war ich stark drauf. Ich war nicht bei den Schnellen, aber immer noch unter dem Zeitlimit.

Vom Start weg ist dieses Rennen wirklich ein Hammer. Der Hinweis des Veranstalters auf das härteste Winterrennen der Welt hat meine volle Zustimmung. Die Eindrücke hier sind gigantisch, nicht nur die landschaftlichen, nein auch die Eindrücke, die man bei einer solchen extremen Belastung von sich selbst gewinnt. Am Freitag war der für mich härteste Tag. Um 23.50 Uhr (Donnerstag auf Freitag) bin ich vom Checkpoint Rainy Pass Lodge aufgebrochen. Das Ziel war Rohn auf der anderen Seite der Gebirgskette der Alaska Range.

Wir hatten an diesem Tag einen schlimmen Schneesturm. Nach ca. zehn Stunden erreichte ich mit zwei Italienern den Passübergang. Der Sturm war zwischenzeitlich so stark, dass die Skistöcke waagerecht in der Luft lagen. Die Sicht war fast null, von einem Weg oder Trail überhaupt nichts zu sehen. Dann der Abstieg auf die andere Seite. Durch eine zum Teil nur zehn Meter breite Schlucht ging es ca. 30 km bergab. Es hatte mittlerweile 60 cm Neuschnee und an manchen Stellen brach ich trotz Schneeschuhen bis zu den Hüften im Schnee ein.

Mehrfach eingebrochen

Bei diesem Abstieg musste ein Gebirgsbach mehrfach überquert werden. Entweder auf Schnee- oder auf Eisbrücken. Dabei brach ich mehrfach durch und habe mir dabei eine Verletzung an den Bandscheiben zugezogen. Nach ca. 21 Stunden harter Arbeit hatte ich die 72 km hinter mich gebracht, allerdings nicht mehr gesund.

In der Nacht dann höllische Schmerzen. Am nächsten Morgen wollte ich dann weiter, hatte bereits meinen Schlitten wieder gepackt, aber die Schmerzen waren immer noch da. Nach Beratung mit einem Checkpointmitarbeiter war es vernünftiger, die Sache hier zu beenden. Die nächsten 120 km wäre ich wieder völlig auf mich gestellt gewesen, eine Rettung auch nicht möglich. Von Rohn konnte ich wenigstens mit dem Buschflieger ausgeflogen werden.

Es war eine sehr harte Entscheidung, hier auszusteigen, die ich momentan auch noch nicht verarbeitet habe und die mir sehr weh getan hat. Zwischenzeitlich bin ich wieder in Anchorage und kann mich hier erholen.“

© Schwäbische Post 08.03.2010

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Sogar die Betten sind größer

Extremsport: Walter Hösch aus Lindach ist unterwegs beim Iditarod Trail in Alaska / Kein Kontakt zur Außenwelt

Die ersten acht Biker waren gestern Abend am Checkpoint Yentna Station durch. Von den Läufern des 350-Meilenlauf beim Iditarod Trail hingegen noch keine Spur.

WERNER RÖHRICH

Walter Hösch ist seit Sonntag unterwegs beim härtesten Winter-Ultrarennen der Welt in Alaska. „Meine Pulkatasche ist fertig gepackt. Um 11 Uhr kommt der Bus und bringt uns Teilnehmer zum Start Knik. Ich bin jetzt schon aufgeregt, freue mich aber auch, dass es nun losgeht.“ Das waren die letzten Zeilen, die der 50-jährige Lindacher seiner Frau vor dem Start aus Anchorage gemailt hat. „Ich habe anschließend noch einmal kurz mit ihm telefoniert“, sagt Kerstin Hösch. In den nächsten zehn Tagen wird sie keinen Kontakt zu ihrem Mann haben.

Zusammen mit 49 weiteren ausgesuchten Teilnehmern hat sich Walter Hösch einen Traum erfüllt und ist aufgebrochen zu einem 560-Kilometer langen Fußmarsch durch die Eiswüste Alaskas. Alles was er in diesen zehn Tagen zum Überleben braucht, zieht er in einem rund 35 Kilogramm schweren Pulka (Schlitten) hinter sich her. Die Internetseite des Eventanbieters Alaska Ultra Sport ist die einzige Informationsquelle für die Außenwelt. Dort werden täglich die Teilnehmer veröffentlicht, die eine der sieben Checkpoints passiert haben (http://www.alaskaultrasport.com/results.html).

Walter Hösch ist am Freitag „erschöpft, aber gut“ in Anchorage angekommen. „Die Stadt Anchorage liegt vor einem tollen Bergpanorama“, schrieb er seiner Frau am Wochenende. „Hier ist man für die Bevölkerung schon ein Held, wenn man bei diesem Rennen als Starter dabei ist.“ Es sei alles „etwas größer als bei uns, selbst die Betten und das Hotelzimmer.“ Mit dem Sport und der Bewegung, glaubt Hösch, haben es die Amerikaner allerdings nicht so. „Auf dem Gehsteig ist man völlig allein unterwegs. Jeder fährt mit dem Auto. Hier geht wirklich kein Mensch. Deshalb werden auch die Gehwege nicht geräumt.“ Das mit dem Alleinsein hat sich seit Sonntag verschärft, seit Walter Hösch sich aufgemacht hat in die eisigen Weiten Alaskas.

© Schwäbische Post 01.03.2010

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Ich bin dann mal weg

Extremsport: Walter Hösch auf dem Weg zum Iditarod Trail nach Alaska / Lufthansa-Streik hätte ihn fast ausgebremst

Monatelang hat sich Walter Hösch auf seinen 560-KilomterMarsch durch die Eiswüste Alaskas vorbereitet. Und dann streikt die Lufthansa. Da bin ich doch noch ordentlich ins Schwitzen gekommen“, berichtet der Lindacher.

WERNER RÖHRICH

Das war vor zwei Tagen. Jetzt ist er weg. Am Dienstag um 8.10 Uhr hat die Maschine der United Airlines, die ihm sein Reisebüro in letzter Sekunde noch besorgen konnte am Frankfurter Flughafen abgehoben. Der Schreck war groß, als Hösch am Freitag erfahren hatte, dass sein für Dienstag geplanter Flug nach Anchorage vom Lufthansa-Streik betroffen und annulliert wurde. Diese Hürde zumindest hat Hösch genommen.

Über Chicago, wo am Abend die erste von zwei Zwischenlandungen (Chicago, Seattle) angesagt war. Dann sind’s nur noch ein paar Stunden bis Anchorage, wo Walter Hösch am Sonntag zusammen mit 49 weiteren Teilnehmern aus der ganzen Welt zum Iditarod-Trail, dem härtestens Winterrennen der Welt, aufbrechen will. Innerhalb von zehn Tagen werden sich die Männer und Frauen völlig allein auf sich gestellt 560 Kilometer durch die eisige Wildnis Alaskas kämpfen, bei Temperaturen zwischen minus 20 und minus 40 Grad Celsius.

Akribisch hat sich der 50-Jährige, der in Schwäbisch Gmünd-Lindach wohnt und Vorsitzender der Bezirksgruppe Ellwangen des Deutschen Alpenvereins (Sektion Schwaben) ist, auf sein Abenteuer vorbereitet und seit Monaten hunderte von Trainingskilometer in Begleitung“ seines ca. 35 Kilogramm schweren Zugschlittens (Pulka) abgespult.

Doch der Lufthansa-Streik war nicht die einzige Hiobsbotschaft, die Hösch in den Tagen vor dem Abflug erreichte. Vor rund vier Wochen schon hatte er Ersatzverpflegung und ergänzende Kleinteile auf die Reise geschickt, die er in zwei Depots entlang der Strecke lagern wollte. Per E-Mail wurde er vor wenigen Tagen vom Veranstalter informiert, dass das Paket mit den beiden Taschen nicht angekommen sind und deshalb nicht mit den Depottaschen der anderen Teilnehmer an die entsprechenden Checkpoints gebracht werden konnten. „Der Vorteil“, erklärt Hösch, „wäre gewesen, dass ich nicht die gesamten Verbrauchsgüter vom Start weg hätte mitführen müssen.“ Was eine gewaltige Gewichtsersparnis bedeutet hätte. Darunter waren auch dringend notwendige Spezialbatterien, die Temperaturen von minus 30 Grad Celsius standhalten.

Jetzt hat er solche Vorräte, – von denen er gottseidank noch ausreichend zuhause gebunkert hatte – noch einmal verpackt und hat gehofft, „dass ich am Zoll damit nicht noch Schwierigkeiten bekomme.“ Sonst hätte er in Anchorage noch zwei Tage Zeit gehabt, um sich das Notwendige zu besorgen. „Diese Schwierigkeiten sind ihm erspart geblieben“, wusste seine Frau Kerstin. Im Gegenteil, als er dem Zollbeamten erklärte, dass er am Iditarod Trail teilnimmt, hat dieser gestrahlt und ihn ohne größere Komplikationen durchgewunken. Von seinen Freunden hat er sich in einer E-Mail mit den Worten verabschiedet: „Ich bin dann mal weg.“

Er brennt wahnsinnig darauf, dass es endlich losgeht,“ sagt Kerstin Hösch. Der Startschuss fällt am Sonntag, 14 Uhr Ortszeit (die Zeitverschiebung beträgt neun Stunden. Das heißt, in Deutschland ist es dann schon 23 Uhr).

Die Wetterprognosen sind übrigens alles andere als erbaulich. Momentan herrschen in Anchorage für diese Jahreszeit eher milde Temperaturen um den Gefrierpunkt. Aber für die nächsten zehn Tage ist Schneefall angesagt.

© Schwäbische Post 23.02.2010

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Auf den Spuren der Goldgräber Alaskas

Iditarod Trail: Es ist das längste Winter-Ultrarennen der Welt. Der Iditarod Trail führt über 1100 Meilen (1760 km) auf dem berühmten Iditarod-Schlittenhundepfad von Anchorage nach Nome. Der Start für die Läufer, Skilangläufer und Mountainbiker ist eine Woche vor dem als härtestem Schlittenhunderennen der Welt bekannten Iditarod-Rennen. Die 350-Meilen-Strecke bis McGrath ist Teil dieses Rennens. Um die Wende des vorigen Jahrhunderts waren Teile des Iditarod Trails Schlittenhundepfade und Trapperrouten während des Goldrauschs.

Die Teilnehmer des Rennens sind alleine auf sich gestellt. Der Kurs ist nicht markiert, da Orientierung (per GPS) ein Teil des Wettkampfes ist.

Rettung ist für die Teilnehmer nur per Schneemobil oder Ski-Buschflieger möglich, und nur, wenn das Wetter mitspielt.

Die Extremsportler begegnen Wölfen, Bisons und mitunter angriffslustigen Elchen. Und sie müssen sich auf heftige Schneestürme einstellen.

Walter Hösch muss sieben Checkpoints ansteuern. Die Organsitoren halten Interessenten wärend des Rennens täglich per Internet-Blog auf dem Laufenden, wer welchen Checkpoint passiert hat (http://www.alaskaultrasport.com/latest_news.html).

© Schwäbische Post 23.02.2010

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In der eisigen Wildnis Alaskas

Extremsportler Walter Hösch nimmt am Iditarod-Trail, dem härtesten Winter-Rennen der Welt, teil

Ob es ihm mulmig ist vor Wölfen, Elchen und Bisons? Kann schon sein. Doch das sind nicht die einzigen Gefahren, denen sich Ellwangens Bezirksgruppenvorsitzender des Deutschen Alpenvereins, Walter Hösch, beim Iditarod Trail aussetzen wird. Bei seinem Fußmarsch durch die eisigen Weiten Alaskas wird er ganz allein auf sich gestellt sein. 560 Kilometer in nur zehn Tagen sind zu bewältigen.

WERNER RÖHRICH

Walter Hösch aus Lindach und Michael Odenwald aus Lüdenscheid sind nach den beiden Skilangläufern des Jahres 2003 die ersten Deutschen, die einen Startplatz für den Fußmarsch erhalten haben. Als die Zusage per E-Mail am 17. April vergangenen Jahres auf seinem Laptop erschien, hat Walter Hösch Freudensprünge gemacht. „Insgeheim gehofft habe ich es natürlich, obwohl die Chance relativ gering war“, sagt er. Der Iditarod-Trail zählt zu den härtesten Rennen der Welt. Jährlich werden dazu weltweit nur 50 Teilnehmer zugelassen. Die Anforderungen ähneln einem Überlebenskampf. Nur knapp mehr als die Hälfte sind bisher jährlich im Ziel angekommen. Das wird auch in diesem Jahr so sein, vermutet Walter Hösch und hofft, dass er es schaffen wird. Auf den Spuren der Goldgräber von einst geht es 350 Meilen (560 km) von Anchorage nach McGrath – in maximal zehn Tagen. „Ich hoffe, dass ich es in acht Tagen schaffen werde“, sagt der 50-jährige Extremsportler aus Lindach, der sich allein mit der Teilnahme einen Traum erfüllen wird.

Akribisch hat er sich auf seinen langen Fußmarsch durch die eisige Wildnis Alaskas vorbereitet. Was ihn erwartet, sind Tage in völliger Einsamkeit, stets allein auf sich gestellt (Da funktioniert nicht mal ein Handy“) und bei Temperturen zwischen minus 20 und minus 40 Grad Celsius.

Da geht es alles andere als nur darum, gut zu Fuß zu sein. 80 Kilometer am Tag, so sein Plan, will er durchschnittlich schaffen, um in der vorgegebenen Frist ins Ziel zu kommen. Dann wären sogar noch zwei Tage Puffer drin. Täglich 16 Stunden reine Gehzeit hat er eingeplant, vier Stunden für kleinere Pausen und vier Stunden Schlaf.

In einer Pulka, einem Spezialschlitten, den er hinter sich herzieht, befindet sich die komplette Ausrüstung, die ihm das Überleben sichern soll (Schlafsack, Kocher, Biwaksack, Kleidung, Ersatzschuhe, Lebensmittel, Isomatte, Thermosflaschen etc.). 30 Kilogramm wiegt das Ganze. Ein Gewicht, das Walter Hösch deshalb schon seit Monaten bei seinen Trainingsläufen mit sich herumschleppt. Zunächst in Form eines umgebauten Fahrradanhängers, momentan im Original als Schlitten. Bei seinen Läufen und Märschen über die Schwäbische Alb sorgt er damit immer wieder für Verwunderung und Aufsehen. Es war anfangs gar nicht so einfach, damit schnell laufen zu können. Inzwischen habe ich mich daran gewöhnt,“ sagt er.

Seine Frau Kerstin ist Sportwissenschaftlerin und hat den Trainingsplan erstellt. Das Pensum ist ordentlich. 150 bis 200 Kilometer pro Woche – natürlich in Originalmontur und mit Gepäck – sind seit November Standard. Hin und wieder darf es auch ein bisschen mehr sein. Zum Beispiel bei seinem Dreitagesmarsch von Schwäbisch Gmünd über Göppingen, Kirchheim, Bad Urach nach Münsingen, wo dann noch der ehemalige Truppenübungsplatz einige Male durchquert wurde. Übernachtet wurde natürlich in freier Natur. Bei Minusgraden, versteht sich. Seine langjährige Erfahrung als Bergsteiger und Fachübungsleiter Hochtouren beim Deutschen Alpenverein kommt Hösch dabei zugute.

Die Utensilien fürs Biwakieren in Schnee und Eis gehören schon lange zur Ausrüstung des begeisterten Bergsteigers. Die Bedingungen, die ihn an der Gebirgskette der Alaska Range erwarten, überbieten aber alles für ihn bisher Dagewesene. „Ich muss beim Laufen darauf achten, dass ich möglichst nicht schwitze,“ sagt er. Denn der Schweiß würde sofort gefrieren – auch in der Kleidung. Um solcherart nach außen dringende Nässe zu vermeiden, hat er sich einiges einfallen lassen. So hat er nicht nur seinen Schlafsack mit einer Plastikfolie (als „Dampfsperre“) ausgestattet. Das selbe Prinzip wendet er auch bei seinen Schuhen und Handschuhen an. Will heißen: Walter Hösch zieht sich über ein paar Socken jeweils einen kleinen Plastiksack und dann nochmals ein paar Socken darüber. „Nach einer Weile saftelt das beim Gehen ganz schön,“ verrät er schmunzelnd.

Wer ständig in Bewegung ist, hat auch einen ordentlichen Kalorienverbrauch. Und der ist bei Kälte in der Regel noch höher als für gewöhnlich. Bis zu 10 000 Kalorien verbrauchen die Teilnehmern täglich. Das ist Hochleistungssport pur. Hösch: Da bist Du ständig am Essen.“ Doch was gibt es, an dem man sich in dieser Kälte nicht die Zähne ausbeißt? Walter Hösch hat sich durch fast alle Müsliriegel und Schokoladetafeln gevespert, die er bekommen konnte. Zuerst hat er sie allerdings ein paar Tage bei minus 18 Grad in die Gefriertruhe gelegt. Nur einen einzigen Schokoriegel hat er dabei gefunden, der in der Gefriertruhe nicht hart geworden ist. Damit hat er sich jetzt nebst selbst gemischtem Müsli, getrockneten Bananenchips und gefriergetrockneter Expeditionsnahrung reichlich eingedeckt.

Kontaktlinsen in Gefriertruhe

Den Härtetest in der heimischen Gefriertruhe nicht überstanden haben allerdings seine Kontaktlinsen. „Die sind trüb geworden.“ Auf die Brille – die beim Atmen mitunter beschlägt – wird Walter Hösch deshalb nicht verzichten können.

Inzwischen kann er es auch gar nicht mehr erwarten. Von mir aus könnt’s losgehen“, sagt er. Der Flieger nach Anchorage hebt am 23. Februar ab. Am Sonntag, 28. Februar, nachmittags um 14 Uhr fällt der Startschuss.

Walter Hösch hat 2007 mit seinem Lauf vom niedrigsten Punkt bis zum höchsten Punkt Deutschlands (Nordsee - Zugspitze) für Beachtung gesorgt, absolvierte zusammen mit seiner Frau Kerstin den alpinen Weltwanderweg von München nach Venedig in 28 Tagen und hat als Bergsteiger unter anderem an Expeditionen zum Mt. McKinley (höchster Berg Nordamerikas mit 6194 m) sowie zu den Vulkanen Südperus teilgenommen. Seit 2008 ist er Vorsitzender der Bezirksgruppe Ellwangen des Deutschen Alpenvereins (Sektion Schwaben). Im Beruf ist Walter Hösch Gerichtsvollzieher.

© Schwäbische Post 01.02.2010

 

  © 2010 Paul Launer
 
 
  Letzte Bearbeitung: 2010-03-22