Lieber Bruno - ich
gratuliere Dir zu dieser tollen Leistung und ziehe wie
so oft wieder einmal meinen Hut! Wenn ich an das
Langlaufopening von Leutasch denke, wo ich mit Dir mal
17 Kilometer klassisch gefahren bin und mir hinterher
alles weh getan hat, dann muss ich schon sagen, Du bist
ein echter Schweizer Kämpfer. Wer 90 Kilometer so
durchzieht wie Du - der macht das mit Technik und
Köpfchen.
Gruss Paul
Hier nun sein Wettkampfbericht:
Bruno
Braun
Vasaloppet
2008
Die Verhältnisse waren dieses Jahr auf Grund von
Plusgraden eher langsam. Das beweist auch der
Zeitvergleich mit 2005, als der Sieger 22 Minuten
schneller war als in diesem Jahr. Dass ich bis auf
wenige Sekunden dieselbe Zeit laufen konnte wie 2005,
zeigt mir, dass ich so langsam auch wieder nicht
gelaufen bin. Das zeigt sich vor allem rangmässig, war
ich doch 2005 in den 92xx und 2008 als 7513 rangiert.
Das
Wetter um 08.00 Uhr am Start war wachstechnisch gesehen
problematisch, es hatte bei rund Null Grad geschneit.
Jeder versierte Langläufer weiss, dass bei Plusgraden
tendenziell Klister angesagt ist, derselbe den Neuschnee
jedoch pappt. Also ist maximales Wachs knowhow gefragt,
damit ein möglichst optimaler Ski präpariert werden
kann. Unterwegs wird es immer wieder nötig sein, die
Abstosszonen nachzuwachsen, bei mir viermal. Den ganzen
Tag über war der Himmel bedeckt und so zwischen 0 und 5
Grad plus.
Die Loipe, wenn man der noch so sagen konnte, war grösstenteils
zertrampelt vom regelmässigen Spurenwechsel der Vorläufer.
Die Ausfallquote mit über 25% ist auch ziemlich
hoch. Da hört man von Startern aus dem 10. Block, dass
sie bereits in Sälen nach 10.5 km aus dem Rennen
genommen worden sind, da sie die Zeitlimite infolge
Warten an der ersten Steigung nicht einhalten konnten.
Von 13.745 Startern sind 10.192 Personen rangiert
worden. Über 3.500 Langläufer mussten eine herbe Enttäuschung
akzeptieren, nicht wenige davon unverschuldet. Und das
tut gerade Sportlern weh, die für diesen Lauf eine
lange Reise auf sich genommen und bestimmt dafür
intensiv trainiert hatten.
Das Höhenprofil scheint auf den ersten Blick recht
einfach zu sein. Man bekommt den Eindruck, die Strecke
sei mehrheitlich abfallend. Dieser Eindruck täuscht,
denn gemäss meiner Pulsuhr bin ich 1.027 Höhenmeter
runter gefahren und 792 Höhenmeter gestiegen.
Das Startkonzept ist schwer verbesserungsfähig. Man trägt
wohl einen Chip, trotzdem wird die Bruttozeitmessung
angewendet und die Startblöcke werden auch nicht in
Zeitintervallen sondern alle auf einmal gestartet.
Sonderbar: man stelle sich vor, am Start eines 90 km
Langlaufes zu stehen und für die ersten 2 km gut eine
Stunde und für die ersten 10 km 1
Stunde und 45 Minuten zu brauchen. Das kommt
daher, weil alle rund 13.500 Starter in den 10 Startblöcken
gemeinsam starten und nach rund 500 m ein 4 km langer
Anstieg beginnt. Kein Wunder also, dass sich ein Rückstau
bildet der die hinteren Startgruppen extrem
benachteiligt.

Leider sind am Vasaloppet zunehmend Sportler mit kräftigen
Oberarmen und starker Bauchmuskulatur bevorteilt, da bei
flachen, leicht abfallenden oder ansteigenden Strecken
der Doppelstock eingesetzt wird. Klassisches Langlaufen,
so wie man sich das von früher her gewohnt ist, ist
heutzutage kaum mehr gefragt.
Meine persönlichen Erlebnisse
Cathleen hat mich an den Start begleitet und mit mir die
Vorfreude geteilt. Sie hat dann an der ersten Steigung
die tollen Fotos geschossen, die einen guten Eindruck
des Startprozederes vermitteln. Die Anspannung vor dem
Start war nicht mehr die wie 2005, da ich in etwa ja
wusste was mich im Laufe des Tages erwarten wird.
Nach den ersten – vor allem im Kopf mühsamen - 4-5 km
kommt langsam Schwung in die Bewegung und ich stelle
erfreut fest, dass meine Skis gut gewachst sind.
Mehrheitlich im Doppelstock muss ich ganze Gruppen von
Leuten überhohlen, was auch nicht einfach ist, da wie
gesagt die Spuren mehrheitlich schon zertreten sind und
man dann halt ein bisschen Slalom fährt.
Da werde ich nach rund 28 km unvermittelt in einen Sturz
verwickelt, weitere 3 Stürze sollten noch dazukommen.
In einer schnellen Abfahrt stürzt rund 2 Meter vor mir
ein Teilnehmer, dem ich nicht mehr ausweichen kann und
ungebremst in ihn hineinfahre. Mich hat es so richtig
‚gekübelt’ und ich brauchte einige Zeit, bis ich
alle meine Sachen wieder geordnet hatte und ich für die
Weiterfahrt bereit war. In der Folge schmerzt mich der
linke Oberarm beim Stockeinsatz. Ein Unglück kommt
offenbar selten alleine, weshalb ich nach Risberg, nach
rund 45 km und etwa bei Streckenhälfte, nachwachste und
anschliessend auf ein netzartiges Gewebe gestanden bin.
Lange Zeit dachte ich, der Ski würde deshalb zäher
laufen weil ich das Wachs nicht verstrichen hatte. In
dieser Phase hatten mich 100erte von Leuten überholt,
und ich hatte mich über 30 km damit gequält, dabei
gerade noch in einer Phase wo es mehrheitlich bergab
ging oder flach gewesen ist. Mir hatte es in Eversberg
nicht gedämmert den Ski zu kontrollieren, erst in
Oxberg, nach weiteren 15 zähen km, hatte ich den Ski
geprüft und das Malheur festgestellt. Mit einem
Spachtel hatte dann ein Servicemann das rund 20 cm lange
Netzt weggekratzt, ich musste rund 15 Minuten aufs
Weiterlaufen warten.

Fazit
Das Naturerlebnis im schwedischen Winter ist eine Reise
wert. Die zahlreichen Helfer nehmen sich viel Mühe und
helfen wo sie können.
Tut mir leid, dass meine Erfahrungen mehrheitlich
negativ sind, aber das muss auch einmal gesagt sein. Der
Mythos Vasaloppet bröckelt, auch wenn die Startplätze
immer noch relativ schnell ausverkauft sind. Von vielen
der
jungen Teilnehmer ist zu hören, dass sie am
Vasaloppet maximal zweimal teilnehmen, nämlich das
erste und das letzte Mal. Der Spassfaktor kommt nämlich
zunehmend zu kurz. Organisatorische Verbesserungen für
eine moderne Sportveranstaltung sind dringend notwendig.
Jeder Dorftriathlon bis zum Zürich Ironman oder der
Swiss Alpine Marathon sind besser organisiert, weil man
sich neuen Trends nicht verschliesst.
Jetzt hoffe ich einfach, dass Paul meinen Text nicht
zensuriert sondern meine Meinung mal so stehen lässt.
Sollten andere Sportler gegenteilige Erfahrungen gemacht
haben, dann bietet Hobbylauf.de bestimmt die Plattform
zum Meinungsaustausch.
Kommentar von hobbylauf.de - Paul Launer: Lieber
Bruno - nie würde ich mir erlauben, Dich zu zensieren.
Der Bericht ist doch topp. Ich würde mich sehr freuen,
wenn weitere Berichte
von anderen Athleten folgen.
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